Wir sind nicht gegen Flüchtlinge!

Es ist zweifellos eine Sache, auf die es keine einfache Antwort gibt: Eine vierstellige Anzahl Flüchtlinge müssen in Neuss Platz finden. „Rettet das Jahnstadion“ unterstützt geschlossen die gleichmäßige Verteilung auf alle Stadtteile. Aber in den letzten Tagen sind mehrere Dinge geschehen, die Anlass zur Sorge geben:

  • Zu allererst: Die Berichterstattung über Stacheldraht der Anwohner gegen das Flüchtlingsheim ist blanker Unsinn. Der Draht richtet sich gegen Kicker, deren Ball im betroffenen Garten landet und die ohne Rückfrage über den Zaun klettern. Der Stacheldraht war schon vor der Bekanntgabe der Flüchtlingsheim-Standorte geplant, wie uns der Grundstückseigner sagte. Was übrigens auch nahelegt, dass diese Flächen keineswegs brach liegen, sondern tatsächlich für Ballspiele genutzt werden.
  • Selbst die Ratsfraktionen haben keine ausreichenden Fakten vorliegen – hier mauert die Nappsche Verwaltung. Die Quadratmeterzahl der quasi reservierten Gebiete übersteigt den Flächenbedarf deutlich. Über die Motive kann man nur spekulieren, aber da selbst die mehrfache Nachfrage einiger Politiker ignoriert wird, ist eines zumindest sehr wahrscheinlich: Es gibt handfeste Motive.
  • Bezüglich der Fläche Glehner Weg / Jahnstadion stinkt gleich mehrerlei:Nicht nur, dass die Verwaltung wieder einmal unter dem Deckmantel einer unabwendbaren Maßnahme Grünflächen entwertet. Der Verdacht, dass aus der temporären Flüchtlingsunterbringung eine dauerhafte Bebauung wird, ist nicht widerlegt.

Flüchtlinge sind arme Menschen, die normalerweise wider Willen ihre Heimat verlassen mussten und aufgrund der deutschen Rechtslage zur Untätigkeit verdammt sind. Sie erhalten anfangs noch nicht einmal die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Was tut die Stadt, um diese Menschen mit Würde zu integrieren? Was können die Neusserinnen und Neusser beitragen – und wer hilft uns dabei, die wir keine Erfahrung im Umgang mit diesen Menschen haben? Es ist hübsch, dass alle wachen Parteien jetzt Informationen von der Verwaltung fordern, aber wir möchten die politischen Ränkespiele gerne schnell hinter uns lassen und neue Mitmenschen im Stadionviertel wirklich integrieren. Das braucht mehr als nur den Ruf nach Bürgerbeteiligung.

Aber vor allem, liebe Politikerinnen und Politiker: Benutzt uns nicht, sondern nutzt Euren Wählerinnen und Wählern.