Argumente

1. Auslastung

“Das Stadion ist nicht ausgelastet.”

Wenn man die Belegung der Flächen durch Vereine zählt, ist die Auslastung des Jahnstadions mit 47% leicht unter dem Durchschnitt von 55% aller Neusser Bezirkssportanlagen. Sollten Rasenplatz und Laufbahn nicht bespielt sein, könnte der Grund durchaus ein Schild des Platzwarts sein, das die Nutzung verbietet, wie Kinder berichten. Die Belegungszahlen wurden übrigens per Strichliste von den Platzwarten ermittelt, die auch für die Sperrung des Rasenfelds verantwortlich sind.

Die Studie der Kölner Sporthochschule zeigt auch, dass zwei Drittel der Neusser Sportaktivitäten außerhalb von Vereinen stattfindet. Hiermit ist das Stadion gut ausgelastet, wie die überwältigende Reaktion bei der ersten Bürgerversammlung zeigt. Auch sind die absoluten Besucherzahlen des großen Jahnstadion-Geländes nach der Studie hoch und die Kosten pro Platz vergleichsweise niedrig. Warum also sollen die 47% ein Argument für die Schließung sein?

2. Lärm

“Die Fußballplätze verursachen Lärm, vor dem die Anwohner geschützt werden müssen.”

Natürlich verursacht Sport Geräusch. Das gilt zum Beispiel auch für die Tennis- oder Hockeyplätze, die niemand infrage stellt. Der Umweltatlas zeigt aber, dass die Werte für das Marianumgelände nicht höher als für bereits bestehende Bebauung liegen und absolut unproblematisch sind: Im Vergleich zum Beispiel zur Belastung der Jahnstraße durch die Bahnlinie ist die Lärmwirkung des Sports vernachlässigbar. Also ist Lärm nur ein Thema, wenn es um zusätzliche Wohnbebauung geht – die dann auch den Hockey- und Tennissport in Frage stellen wird!

3. Veranstaltungen

“Das Stadion bildet nicht den richtigen Rahmen für Großveranstaltungen.”

Richtig. Genug Flächen sind vorhanden, aber die Jahnstraße erstickt vorher und nachher am Verkehr. Und dies soll durch zusätzliche Wohnbebauung oder eine Mehrfachsporthalle mit großen Tribünen verbessert werden? Nicht der Fußballverein zieht die größten Zuschauermengen an, sondern Hockey und Tennis. Beide dürfen gerne bleiben, da sich in den letzten Jahren eine Form der Aktivität und des Feierns entwickelt hat, die für alle tragbar ist. Diese Bundesligavereine würden von einem Umzug zum Beispiel in das Areal der Internationalen Schule durch bessere Autoverkehrsanbindung mit antizyklischer Nutzung vorhandener Parkflächen und die repräsentative Umgebung profitieren. Warum also sollte ausgerechnet der Fußballsport umziehen müssen, wenn man von kommerziellen Interessen absieht?

4. Geld

“Der Unterhalt des Jahnstadions ist zu teuer.”

Der Unterhalt des Jahnstadions liegt bei etwa einer halben Million Euro im Jahr. Eine Aufschlüsselung nach Freiflächen und Vereinsflächen gibt es leider nicht, anhand des Zustands ist aber klar erkennbar, dass das Geld nicht in die Freiflächen fließt. Bezogen auf die Anzahl Sportplätze ist das Stadion eine eher günstige Sportanlage, die zudem zentral liegt und im Vergleich nicht einmal i übermäßig schlechtem Zustand ist. Wer wirtschaftlich rechnet und die Statistiken selbst liest, merkt schnell: Wirtschaftlich gesehen müsste das Stadion Bezirkssportanlage bleiben.

Weil aber die (nicht arme) Stadt Neuss beschließt, den Sport zum Thema zu machen, ohne den Sportetat zu erhöhen, ist das Konzept der Bezirkssportanlagen am Ende. Ein neues Konzept muss her, wie es unsere Alternative bietet.

5. Neue Sporthallen

“Die TG Neuss braucht ein neues Zentrum”

Es nicht nötig, alle Aktivitäten der TG an einem Ort zu bündeln. Und ob dies an der Schorlemer Straße, im Jahnstadion, am Adenauerring oder an einem anderen Ort ist, dürfte sogar den meisten TG-Mitgliedern egal sein – schließlich wohnen die 6000 Mitglieder über die ganze Stadt verstreut. Soll es im Stadion sein, müsste eine kleinteilige Bebauung und keine Dreifachhalle erfolgen, da ein so großer Baukörper nicht dem Charakter der Umgebung entspricht und das Stadionviertel zerstört. Selbst kleine Gebäude zerstören aber das Stadtklima.

Auch die hohen Zuschüsse sind fraglich. Selbst wenn die Fläche an der Schorlemer Straße gegen ein neues Gelände getauscht wird, ist offenbar nicht geplant, offene Kaufverhandlungen auf dem freien Markt durchzuführen, um das Stadtsäckel zu schonen. Gerade große Sportvereine sind zu Eigenständigkeit in der Lage. Auf der anderen Rheinseite wurde das Hallen und Freibad in Langenfeld an den dortigen Verein SGL übergeben, um wirtschaftlich zu arbeiten. Wieviele Erhaltungsmaßnahmen, wieviel Förderung des Breitensports außerhalb der Vereine wäre hiervon möglich?

6. Aufwertung des Viertels

“Die hochwertige Bebauung wertet das Viertel auf.”

Absurd – mit diesem Argument sollen lediglich Neubauten gerechtfertigt werden. Eine Aufwertung des Stadionviertels ist durch das parkartige Gelände des Stadions jetzt gegeben. Eine Verdichtung der Bebauung wertet jedes Wohnviertel ab. Steigende Immobilienpreise im Stadionviertel kann es durchaus geben – durch die Internationale Schule, die zahlungskräftige Familien in diese Gegend lockt. Auch diese freuen sich über einen Park in direkter Nähe und sichere Schulwege. Von Neubauten profitiert in erster Linie der jetzige Grundstückseigentümer: Die Stadt und ihre klamme Kasse.

Die Hochwertigkeit der Bebauung gehört in den Bereich der Fabeln. Untersuchungen zum Baubestand in Deutschland (z.B. Universität Karlsruhe) zeigen, dass Bauten vor dem zweiten Weltkrieg die höchste Wertigkeit in Ausführungsqualität und Nutzungsmöglichkeiten haben.