Presseerklärung vom 06.11.2009: Abschluss des Werkstattverfahrens verfrüht

Durch einige Passagen im CDU-FDP-Koalitionsvertrag ermutigt, ist die Bürgerinitiative “Rettet das Jahnstadion” zur letzten Sitzung des Werkstattverfahrens an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und hat so die konstruktive Grundhaltung der Aktiven unterstrichen. Das jetzt präsentierte Ergebnis des Werkstattverfahrens zeigt allerdings, dass die große Chance, das Gesamtgelände des Jahnstadions in die Planungen einzubeziehen, nicht genutzt wurde. Stattdessen setzte das IKPS im Sinne seiner Auftraggeber eine Planung dicht an der Ratsvorgabe durch, die nach Meinung der Bürgerinitiative nur als Ideensammlung und Wunschliste taugt:

  • Die von verschiedenen Seiten geforderten und vom Rat beschlossenen Voruntersuchungen sind im Planungsverfahren nicht oder unzureichend erfolgt, so dass wesentliche Grundlagen fehlten – fiktive statt fundierte Ideen sind die Folge.
  • Im Plan der IKPS findet sich ein “Gebäude-Platzhalter” im Eingangsbereich des Stadions, der auf nur 1200 m² allen Raumbedarf der TG und der DJK Novesia abdecken soll. Herr Meyen meldete in der Sitzung bereits die “Möglichkeit” an, dass mehr Fläche gebraucht würde. Dann müssten Flächen, die mit Zustimmung der Verfahrensteilnehmer für die Öffentlichkeit geplant sind, zu vereinsgebundenen Flächen erklärt werden. Die Teilnehmer der letzten Sitzung erfuhren zudem, dass dieser Plan geltendes Planungsrecht verletzt.
  • Die Platzverhältnisse selbst des jetzigen Plans reichen nur noch für eine auf 1 ½ Spielfelder reduzierte DJK aus. Deren Vorstand zeigt sich damit zufrieden – im Gegensatz zur Jugendabteilung, die wegen ihrer erfolgreichen Arbeit wächst.
  • Für Alternativplanungen blieb im Verfahren zu wenig Zeit. Anregungen zwischen den Sitzungen wollte das IKPS jedoch nicht einfließen lassen.
  • Bisher dienten die Tennenplätze bei Großveranstaltungen als Ausweichparkplatz für 400 bis 500 Autos. Mit der Umgestaltung würden diese trotz der Mehrbelastung durch ein TG-Zentrum entfallen. Da das wilde Parken unter den Linden der Jahnstraße wegen des Alleenschutzes streng genommen bereits jetzt illegal ist, bleibt ein massives Verkehrsproblem, das konsequent ignoriert wird.
  • Nicht zuletzt fehlt seit Beginn des Verfahrens eine wirtschaftliche Machbarkeitsstudie hinsichtlich der Umsetzungsmöglichkeiten. Im Vergleich mit der vom Moderationsinstitut IKPS als Referenz benannten Anlage in Bad Hersfeld wird klar, dass mehrere Vollzeitarbeitsplätze zur Betreuung und Pflege der Anlage notwendig sein werden.

Damit besteht die Gefahr, dass nach dem Neubau eines TG-Zentrums für die hübsche (und landschaftsplanerisch folgerichtige) Gestaltung des übrigen Geländes keine Gelder verfügbar sind. Das “Kooperative Verfahren” fand so dank wacher Teilnehmer wenig überraschend nicht zu einem Konsens: 7 Gegenstimmen (BUND, SPD, FDP, Grüne, ein Bürger und die Bürgerinitiative) bei gut 20 stimmberechtigten Teilnehmern sind ein deutliches Votum gegen kommunale Luftschlossplanung zu Zeiten leerer Kassen.

Frauke Arndt, Mitbegründerin der Initiative, zog ein enttäuschtes Fazit: “Das ist nach dem Collegium Marianum nun schon der zweite Planungs-GAU im Stadionviertel. Durch den eingeschränkten Betrachtungshorizont fehlen planerische Alternativen für das gesamte Gelände. Die Verwaltung als Auftraggeber hat mit über 30.000 EUR Steuergeldern einen bunten Ideenstrauß finanziert, der Bürgernähe simulierte und die Beteiligten in eine vorgegebene Richtung drängte. Mehr gedankliche Freiheit hätte die nun nötigen Nachbesserungen vermieden”.6