Neuss hat kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem.

Neuss erwartet 2016 ein Defizit von 13,8 Millionen und für 2017 von 10 Millionen (NGZ, 26.1.2015). Trotzdem sollen schon wieder immerhin 50.000 € für einen Sportentwicklungsplan ausgegeben werden.

„Mit dem neuen Sportentwicklungsplan soll eine Grundlage für eine gesamtstädtische Betrachtung der Sportstätten geschaffen werden, um deren Sanierung und Bedarf planen zu können. Moderiert wird die Arbeitsgruppe von einem Fachbüro und der Verwaltung.“ Dieser Beschluss, der der Stadt Neuss 50.000 € wert ist, wurde im Sportausschuss und damit von allen Parteien einstimmig und ohne Widerspruch gefasst.

Da bereits in der Vergangenheit grundsätzliche Entscheidungen zur Entwicklung des Sports und der Neusser Sportanlagen gefällt und Millionen in die Umsetzung investiert wurden, erhebt sich die Frage nach dem Sinn und Wert eines solchen Planes. Schon einmal wurde in 2009 ein ähnlich hoher Betrag an genau dasselbe Institut gezahlt, das auch diesmal beauftragt werden soll – obwohl die Universität Wuppertal diese Leistung deutlich günstiger angeboten hat. Im Jahr 2009 ging es um das Werkstattverfahren Jahnstadion, dessen Ergebnisse bisher nicht ansatzweise umgesetzt wurden.

Rolf Knipprath und Uwe Welsink betonen, dass die hierfür notwendige Arbeitsgemeinschaft im engen Dialog mit Vereinen, Schulen und Bürgerinnen und Bürgern erfolgt. Frau Ingeborg Schäfer hingegen weist darauf hin, dass hierfür explizite Fachkenntnisse nötig seien und für effektive Ergebnisse, die Zahl der Mitwirkenden klein zu halten ist. Wenig Öffentlichkeit, dafür Beschlüsse, die schon vorher gefällt sind, und teure Ergebnisse ohne positive Wirkung für den Sport?

Nicht nur Finanzexperten und Unternehmerverbände kritisieren die hohen Ausgaben der Stadt (NGZ vom 29.01.2014). Auch die Bürgerinitiative „Rettet das Jahnstadion“ fragt sich, ob angesichts der (offiziell) defizitären Stadtkasse hier Geld verpulvert werden soll, um ein „genehmes“ Institut zu alimentieren oder ob man ein passendes Gutachten benötigt, um die längst getroffenen Entscheidungen öffentlich zu rechtfertigen. Stattdessen sollte dieser Etat zumindest zum Teil in die Instandhaltung des Stadions investiert werden, für das in der aktuellen Haushaltsplanung kein einziger Euro vorgesehen ist.