Goldmedallie im Trickkopieren für den Sportausschuss

Das Rasenhauptfeld kann als gerettet betrachtet werden, der Unsinn der Wohnbebauung wurde fallengelassen, das Werkstattverfahren soll am 19.9. im Rat beschlossen werden – drei wesentliche Erfolge, über die wir uns sehr freuen. Warum feiert die Initiative nicht einfach, sondern gibt immer noch nicht Ruhe?

Jatzt wird’s leider kompliziert: Ähnlich wie Herr Napp die Definition ins Rennen warf, das Stadion sei nur das Rasenhauptfeld, um es gleich darauf als gerettet zu bezeichnen; ähnlich wie im Februar, als wir das Werkstattverfahren schon einmal beschlossen glaubten; so ähnlich wird nun wieder einmal das Werkstattverfahren beschlossen, ohne zu sein, was wir seit dem Vorschlag eines solchen Verfahren von Herrn Sahnen erwarten.

Im Einzelnen: Der Sportausschuss hat am 10.9. über die kombinierte Sportplanung Wolker-Anlage / Fußballzentrum am Stadtwald / Jahnstadion getagt. Kurz vorher hatte die CDU die Wohnbebauung abgeblasen, ein leicht verschnupfter Herr Napp daraufhin die Beratungvorlage für den Sportausschuss zurückgezogen, die so düpierte CDU dann pfeilschnell eine neue (inhaltlich alte) Vorlage gezaubert und beraten lassen.

Ob dies und der Beschluss mit rechten Dingen zuging, ist aufgrund der eiligen Abwicklung unklar wie im Februar. Klar ist aber, dass dieser Beschluss mit unter anderem folgenden Punkten in den Rat weitergereicht wird: “Die TG … erhält ausreichend Platz für ein leistungsfähiges Trainingszentrum auf dem Gelände des Jahnstadions … Eine Inanspruchnahme von Flächen und Anlagen der Vereine Schwarz-Weiss und Blau-Weiss im Jahnstadion kommt nicht in Betracht. Von einer (Wohn-)Bebauung an der Jahnstraße wird Abstand genommen, ebenso von einer Bebauung des Hauptfeldes”. Preisfrage: Wo wird die TG im Jahnstadion ausreichen Platz finden können? Wenn auch Ihnen nur noch eine Fläche dafür einfällt, dann kennen Sie den reichen Blumenstrauß von Lösungsmöglichkeiten, aus dem ein weisungsungebundenes, extern moderiertes Werkstattverfahren mit allen Beteiligten schöpfen wird.

Ja, aber wenn dies alle Parteien wollen? Wo dies doch einstimmig beschlossen wurde? Gegenfrage: Warum wohl teilen SPD, Bündnis 90 / Grüne und FDP in allen bekannten Aussagen und auch nach mündlicher Nachfrage andere Positionen mit, als sie dieser Beschluss ausdrückt? Die Lösung, soweit wir dies bisher rekonstruieren konnten, ist unter anderem in der Person Frank Jahn (SPD) zu suchen. Er hat ausdrücklich zu Protokoll gegeben, dass die oben zitierten Einschränkungen des Verfahren als Varianten, aber nicht als politische Maßgabe zu verstehen seien. Unter diesen Umständen kann natürlich jede und jeder zustimmen – wir auch. Da sich aber in der Beschlussformulierung diese Interpretation nicht wiederfindet, darf Herr Napp wieder ungestraft behaupten, der Ausschuss habe einstimmig beschlossen, dass das TG-Zentrum reichlich in das Stadion kommt, aber nicht hier und nicht dort, also (nach Werkstattverfahren) auf den Tennenplätzen.

Wie lernfähig ist eigentlich die Neusser Kommunalpolitik? Keiner protestierte gegen das Ratsprotokoll im Februar, obwohl sich drei Parteien ausgetrickst fühlen, und jetzt passiert der gleiche Vorgang noch einmal? Das erfordert den Protest von jedem einzelnen Anwesenden des Sportausschusses, dessen Blick noch nicht durch Paragrafen verstellt ist. Ehrlicherweise müssten dies sogar inhaltlich denkende CDU-Angehörige tun. Wenn für jeden Trick und jede falsche Aussage im Rat und in Ausschüssen dies öffentlich korrigiert würde und der Urheber eine Runde durch das Jahnstadion joggen müsste, hätten wir wohl eine der fittesten Gemeindevertretungen in Deutschland. Und ein demokratisches Ergebnis, das wir akzeptieren würden, auch wenn es uns nicht gefällt.