Die Kommunalwahl naht.

Da schmückt sich so manche Partei in Wahlkampfzeiten mit der Rettung des Jahnstadions. Dabei wäre ohne die Initiative „Rettet das Jahnstadion“, die 7000 Unterschriften gesammelt hat, das Stadion heute wahrscheinlich bebaut. Die Initiative ist bis heute aktiv und wachsam und arbeitet überparteilich.

Aber Sie können sicher sein, wirklich alle lokalen Größen der Politik werfen sich derzeit schützend vor Sie und uns. Kostprobe gefällig?

“Wir haben eine gute und wohnortnahe Sportinfrastruktur in Neuss. [Wir werden] die gute Ausgangsposition von Neuss nutzen, um … Kultur und Sport als Aktivitätsfelder weiter zu entwickeln. Das 1924 errichtete Jahnstadion ist das identitätsstiftende Zentrum des Stadionviertels und ist durch seine freie Zugänglichkeit von hohem Freizeitwert – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Nein zur Schließung von Sportanlagen. Die Ergebnisse des Werkstattverfahrens sind aufzugreifen und umzusetzen.”

Diese Aussagen stammen von CDU, FDP, SPD, Zentrum und Grünen – in dieser Reihenfolge. Keine Aussagen treffen, soweit wir wissen, Piraten, Linke und UWG.

Trotzdem ist natürlich Vorsicht geboten: Die CDU legt sich nicht wirklich fest – kein klares schriftliches Bekenntnis. Immerhin gehört ihr aber auch der Bürgermeister an, der an seiner Aussage fest hält, sein Thema der Wohnbebauung im Jahnstadion “nicht auf sich beruhen [zu] lassen.” Und dies unterstützen aber auch die anderen Parteien, indem sie auf nahezu jeder anderen Sportanlage die Erneuerung mitfinanzieren, während für das Jahnstadion offenbar Rasenmäher und Besen reichen müssen. Immerhin sind 1,5 Mill. € alleine für die Ludwig-Wolker-Anlage schon im Haushalt 2014/2015 eingestellt – rund 800.000 € sind noch in der weiteren Planung. Die Ergebnisse des aufwändigen Werkstattverfahrens wurden hingegen bis heute nicht umgesetzt.

Des Bürgermeisters Amtszeit läuft bis 2015. Wir wären nicht überrascht, wenn man nach Jahren der planmäßigen Vernachlässigung überrascht feststellen wird, dass der Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Anlagen unfinanzierbar groß ist.

Die sanierungsbedürftigen Tribünen sind monatelang gesperrt, ohne dass Reparaturarbeiten begonnen werden. Die planmäßige Baumaßnahme für eine große Kanalisation hingegen wurde gestartet.

Der neue Flächennutzungsplan (noch nicht rechtskräftig) weist nach wie vor das Jahnstadion als Sportanlage und Grünfläche aus, sodass zumindest hier seitens der Politik ein klares Bekenntnis erfolgt ist. Dennoch haben wir 2008 erleben müssen, dass trotz gültigem Flächennutzungsplan an eine Umwidmung der Sportfläche „visionär“ gedacht wurde – „Wohnen im Stadion“ hieß es damals.

Auch eine lange Kette von Kompromissen zerstört die ehemals gelungene Infrastruktur der Grünflächen, Naherholungsgebiete und Sportanlagen, die Neuss bisher lebenswert gemacht haben. Nur eben langsamer. Sie haben es am 25.5. in der Hand.