Schutz, nicht Schönheit

Die Bürgerinformation zu den Lärmschutzmaßnahmen der Bahn am 16.2. im Zeughaus war gut besucht und recht aufschlussreich. Mehrfach betont wurde die Freiwilligkeit der Bahn, die das Geld ausgibt – was sie allerdings vom Bund für genau diesen Zweck erhält. An der hohen Priorität der Maßnahmen in Neuss innerhalb der bundesweiten Liste lässt die die Lärmbelastung der Stadt erkennen.
Sowohl Bahn als auch Stadtverwaltung wichen jeder substanziellen Diskussion zu Sinn und Optik der Alu-Lochprofile sorgfältig aus:

  • Es wird in ganz Neuss nur eine Art von Lärmschutzwand geben. Lediglich die Farbe des Anstrichs lässt sich beeinflussen – bis das erste Graffito kommt; ab dann gilt die Farbe für die Stadtverwaltung als gesamtgesellschaftliches Problem, so dass niemand verantwortlich ist außer den Sprayern selbst. Lärmschutzwände wie an der A57 neben dem Friedhof (!) werden bewachsen und bieten keine Angriffsfläche für Graffiti. Diese werden aber nicht einmal in Erwägung gezogen.
  • Der Sinn ergibt sich aus einer bundesweit angewendeten Rechenformel für den durchschnittlichen Bahnlärm. Andere Lärmquellen und die Lärmspitzen, die die eigentliche Belastung darstellen, bleiben darin unberücksichtigt. So ist es kein Wunder, dass Anwohner der Gielenstraße wenig Nutzen sahen: Der ohnehin nicht hübsche gemauerte Bahndamm dort wird durch Aluprofile höher und noch hässlicher. Der Autolärm der vierspurigen Straße bleibt und verstärkt sich eventuell noch durch Reflektion.

Im Stadionviertel sieht es besser aus: Die Lärmschutzwand wird mit 2m ab Gleishöhe vergleichsweise niedrig und teilweise durch den Bewuchs am Bahndamm verdeckt, der weitgehend erhalten bleiben soll. Der Bereich der Sportplätze bleibt ohne Lärmschutzwand und der Luftkanal in die Innenstadt (den die Stadtverwaltung vorsichtigerweise weder dementiert noch bestätigt) damit erhalten.

Nicht in allen Teilen der Stadt, aber im Stadionviertel ist die Kuh damit vom Gleis, wenn Sie uns den Kalauer gestatten. Entsprechend waren mit einer Ausnahme alle Anwesenden grundsätzlich für einen Lärmschutz am Bahndamm, wenn auch meist für eine andere Ausführung als die geplante.

Neuss-typisch hat man also bei minimaler Bürgerbeteiligung eine mediokre Lösung gefunden. Große Sorgen macht uns weiterhin der Alleenschutz beim geplanten Kanalbau und Lärmschutz im Stadion. Und vom Werkstattverfahren hört man nichts mehr. Wir bleiben dran.